Gründungsprotokoll des Schülerrudervereins

Gründungsprotokoll des RV am KWG

Hannover, Kaiser-Wilhelms-Gymnasium, 7. Juni 1910

Am heutigen Tage trafen die Unterzeichnenden zur Gründung eines Schülerruder-Vereins am
KWG zusammen. Prof. Dr. Freytag wies in einer kurzen Ansprache auf die Ziele des Vereins
hin und gab der Hoffnung Ausdruck, dass deutscher Geist den Verein stets erfülle. Dann
gründeten die Unterzeichnenden mit kräftigem „Hip Hip Hurra!“ den Verein.

Professor Dr. Hans Freytag
Otto Seile, Unter Prima a
Erwin Rabe, Unter Prima a
Ernst Müller, Unter Prima b
Gottfried Keutel, Unter Prima b
Walter Koehn, Unter Prima b
Werner Koehn, Unter Prima b
Karl Börgemann, Ober Secunda b
Otto Heuer, Ober Secunda b
Ulrich Bock, Ober Secunda b
Erich Deniger, Ober Secunda b
Georg Strote, Ober Secunda b
Gerd Hagen, Ober Secunda b

Hannover, Kaiser-Wilhelms-Gymnasium, 7.6.1910
Zur Gründung eines Schülerrudervereins hatten sich heute Nachmittag um fünf Uhr sechs Unterprimaner und sech sechs Oberprimaner mit Professor Dr. Freytag im Klassenzimmer der Obersecunda b (No 45) eingefunden.

In einer kurzen Ansprache legte Professor Freytag noch einmal die Ziele des Vereins, der gegründet werden sollte, dar. Seine Mitglieder sollten durch die Ausübung der Ruderkunst Leib und Seele erquicken. Sie sollten das Rudern im deutschen Geiste betreiben und tief das Wort der großen Kurfürsten vor die Seele stellen: Gedenke, dass du ein Deutscher bist. Einfach sollten sie sein, im Alkoholgenusse rechtes Maß halten und ihre Feste, wenn sie einmal solche Feiern müssten, vor Allem durch fröhliches Rudern, nicht durch Kommerse verschönen. Je mehr der Verein seiner Natur nach in die Öffentlichkeit trete, umso mehr müssten seine Mitglieder dies bestreben, seinen guten Ruf durch feines und gesittetes Betragen zu begründen und zu erhalten.

Nie dürfe der Verein den Zusammenhang mit der Schule vergessen, dem er seine Gründung verdanke, wie ja auch diese Verbindung mit der Schule durch die Teilnahme eines Lehrers der Anstalt als Schützer des Vereins ausgedrückt werde. Gutes Betragen allen Lehrern gegenüber und alle anderen Schülertugenden müsse man von den Vereinsmitgliedern fordern. Solche Gesinnung sollten die, die den Verein gründen wollten, auch in den nach ihnen Kommenden erwecken. In dem fam. Ruderclub von 1880, auf dessen Hilfe der Verein angewiesen sei dürfe nur sein Lob ertönen, den Mitgliedern und alten Freunden sollten die Mitglieder wie bisher entgegentreten; zu den anderen Vereinen am KWG solle sich der Verein freundlich stellen.

Prof. Dr. Freytag spricht noch einmal über das Verhältnis des zu Gründenden Vereines zum Hannoverschen Ruderclub von 1880. Der Klub will dem Schülerverein Gastrecht gewähren, solange der Verein keine Boote hat, darf er Boote des Ruderclubs benutzen. Dafür und für andere Vorteile soll jedes Mitglied monatlich 2M bezahlen. Hat der Verein eigene Boote, so wird nur 1M statt der 2M monatlich bezahlt.

Nach diesen Vorbemerkungen erklärten die zwölf anwesenden Schüler ihren Willen, sich zu einem Schüler-Rudervereine vom KWG zusammenzuschließen. Die erhoben sich von ihren Sitzen, und mit dreifachem kräftigem „Hip Hip Hurra!“ gründeten sie den Verein. Sie unterzeichneten alle die darüber besonders aufgestellte Urkunde.

Darauf wurde Prof. Dr. Hans Freytag durch Zuruf als Schützer des Vereins gewählt.

Aus geheimer Abstimmung mit Stimmzetteln ging als vorläufiger Vorsitzender des Vereines Otto Seile hervor. Zum vorläufigen Schriftwart wurde ebenso Gottfried Keutel gewählt, der aber die Übernahme dieses Amtes mit triftigen Gründen ablehnte und Ernst Müller bat für ihn einzutreten. Da niemand dagegen war, nahm Müller das Amt an. Das Los bestimmte dann Erwin Rabe zum vorläufigen Kassenwart.

Es wurde Beschlossen, nicht gleich Satzungen aufzustellen, sondern erst genügend Erfahrung zu sammeln und aus ihr die Satzungen herauswachsen zu lassen. Es wurde aber festgesetzt, dass eine Bestimmung, die das Verhältnis zu den Übrigen Vereinen in freunschaftlicher Weise regeln sollte, in die Satzungen käme, nämlich, dass der Verein grundsätzlich Mitglieder anderer Vereine nicht ausschließe und seinen Mitgliedern die Teilnahme an anderen Vereinen grundsätzlich gestatte. Dieser Beschluss solle den übrigen Vereinen bei der baldigen Benachrichtigung von der Gründung des Rudervereins am KWG vom Schriftführer mitgeteilt werden.

Längere Zeit unterhielt man sich über die Art und Weise der Aufnahme neuer Mitglieder. Es soll vorläufig folgendermaßen verfahren werden:

Hat sich ein Schüler des Kaiser- Wilhelms- Gymnasiums zur Aufnahme gemeldet, so hat er eine vierwöchige Probezeit durchzumachen. Der Vorstand unterrichtet sich über die Stimmung für oder wider den Angemeldeten. Wenn niemand etwas gegen seine Aufnahme einzuwenden hat oder der Einwendungen nur ganz wenige sind, so dass der Angemeldete Aussicht hat, in geheimer Abstimmung mit einer Mehrheit von 2/3 Stimmen aufgenommen zu werden, so wird in einer Hautversammlung die Aufnahme vorgenommnen. Wenn aber die Stimmung der Vereinsmitglieder überwiegend gegen den Angemeldeten ist, so soll der Vorstand erst dem Schützer des Vereins davon Mitteilung machen, damit dieser die Bedenken, wenn es möglich ist zerstreut und die Aufnahme des Angemeldeten dem Vorstand und durch ihn dem Vereine empfiehlt. Bei der geheimen Abstimmung, die in einer Hauptversammlung nach nochmaliger vorheriger Besprechung des Gesuches unter den Vereinsmitgliedern erfolgt, gibt der Schützer seine Stimme nicht ab.

Was sonst noch verhandelt wurde, betraf mehr Äußerlichkeiten. Eine wichtige freilich, die Frage der Beiträge erforderte noch eine Längere Besprechung. Die Höhe der Monatsbeiträge wurde noch nicht festgesetzt, doch sah man ein, dass ein monatlicher Beitrag von 1M erforderlich sei.

Auch ist noch der von allen Vereinsmitgliedern freudig Aufgenommene Vorschlag Börgemanns zu
erwähnen, dass sich die Vereinsmitglieder bei der Anrede des kameradschaftlichen „Du“ bedienten.

Dieses Dokument ist auch als PDF verfügbar. Gruendungsprotokoll-SV-KWG.pdf

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